Wissenschaftliche Begleitung der Modellkommunen "Einwanderung gestalten in NRW" (MAIS-NRW)


Project Details

Project start:
01/2017
Project end:
02/2020
Total project budget:
1.946.529,08



Principal Investigator(s)



Research areas


Abstract

Allein 2015 sind ca. eine knappe Million Menschen wegen kriegerischer Auseinandersetzungen und ethnischer und religiöser Verfolgung aus ihrer Heimat in die Bundesrepublik Deutschland geflohen. Davon kamen über 200.000 Menschen nach Nordrhein-Westfalen. Die aktuelle Einwanderung trifft auf eine in den Kommunen des Landes unterschiedliche Ausgangssituation. Häufig gab und gibt es keine zureichende – Arbeitsfelder und Institutionenübergreifende Gestaltung der konkreten Integrationsarbeit. Durch unterschiedliche Zuständigkeiten, organisatorische Anbindung und Rechtspraxen entstand eine Heterogenität der Akteure im Feld des Einwanderungsmanagements. Zumeist wurde die Kooperation der verschiedenen am Integrationsprozess beteiligten Akteure unter dem Aspekt einer ideellen oder auch strategischen Zusammenarbeit verfolgt, ohne dass es zu einer fallbezogenen Kooperation unterschiedlicher institutioneller Akteure gekommen wäre. Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung brauchen jedoch gleichberechtigte Teilhabe- und Integrationschancen, um in unserer Gesellschaft anzukommen. Ziel des Vorhabens ist es deshalb, das Ideal einer gelingenden Einwanderung im Sinne von Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe von Einwanderern mit abgestimmten Methoden und Strategien in einem gemeinsamen Prozess der diversen Akteure zu realisieren. Den zugewanderten Menschen soll unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aufenthaltsstatus der Zugang zu den kommunalen Angeboten der Beratungseinrichtungen und Behörden erleichtert werden. Erforderlich ist hierfür eine modellhafte Strategie eines integrierten Handelns, die Raum lässt für die Beachtung der je unterschiedlichen institutionellen und einwanderungsbezogenen Gegebenheiten und Besonderheiten in einzelnen Kommunen. Mit dem Vorhaben „Einwanderung gestalten NRW“ verfolgt die nordrhein-westfälische Landesregierung das Ziel, die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit zur Integration allen zugewanderter Menschen in den Kommunen zu fördern. So soll ein systematisiertes und koordiniertes Vorgehen zwischen den kommunalen Behörden installiert werden, in dessen Mittelpunkt der zugewanderte Mensch mit seinen Potenzialen und individuellen Bedarfen steht. Dabei ist es erforderlich, eine übergreifende Handlungsstruktur zu entwickeln und zu etablieren, die sowohl die Fallebene als auch die Strukturebene der Unterstützungsleistungen in den Blick nimmt. Das Vorhaben versucht deshalb, die beteiligten Kommunen dabei zu unterstützen, rechtskreis- und institutionenübergreifende Formen der Kooperation zu etablieren, die sowohl einzelfallbezogen wie übergreifend wirksam sind. Es gilt, bestehende Netzwerke und bestehende Beratungsstrukturen zu überprüfen und im Sinne einer vertieften Zusammenarbeit weiter zu entwickeln. Hierzu ist es notwendig, die am Vorhaben beteiligten Kommunen zu beraten und während des Implementationsprozesses zu begleiten, die Arbeit zu evaluieren und eine nachhaltige Organisationsentwicklung einzuleiten. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse hierüber sind fortlaufend an die Kommunen zurück zu spiegeln. Eine wissenschaftliche Begleitung, die neben evaluations- auch Beratungsaufgaben übernimmt, ist elementarer Bestandteil des Vorhabens. Sie hat die Aufgabe, systematisch zu rationalisieren und konzeptionell zu fundieren, was bislang eher zufällig und vereinzelt passiert, um hieraus Erkenntnisse für den Transfer in die Fläche zu gewinnen. Der Gesamtprozess der Implementation wird „formativ“ evaluiert, d. h. die wissenschaftliche Begleitung dokumentiert und analysiert den Prozess an jedem Standort und führt ihre Ergebnisse fortlaufend in die Entwicklungsarbeit zurück. Auf kommunaler Ebene wird jeweils eine lokale Steuerungsgruppe eingerichtet, die für den Aufbau und die Weiterentwicklung des strategischen Handlungsrahmens verantwortlich ist. Diese Steuerungsgruppe wird von der wissenschaftlichen Begleitung beraten, die hierzu Ergebnisse der Evaluation nutzt. Unterhalb der Steuerungsgruppe werden auf der Ebene von Arbeitsfeldern, Sozialräumen oder für Zielgruppen Projektgruppen oder Planungskonferenzen eingerichtet, die von qualifizierten Koordinatorinnen und Koordinatoren geleitet werden. In diesen Planungskonferenzen wird explizit die systematische Verbindung zum Case Management sichergestellt. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren werden von der wissenschaftlichen Begleitung in ihren Aufgaben unterstützt und entsprechend im Rahmen einer mehrtägigen Weiterbildung qualifiziert. Daneben werden regelmäßige Foren eingerichtet, die dem Erfahrungsaustausch und dem Wissenstransfer unter den beteiligten Kommunen dienen (für Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Steuerungsgruppen wie für Koordinatorinnen und Koordinatoren). In den Erfahrungsaustausch sollen die Ergebnisse der Evaluation eingespeist werden. Wichtiger Bestandteil ist die durchgängige Kommunikation der Zwischen- und Projektergebnisse in die Politik bzw. (Fach)Öffentlichkeit. Hierzu sollen Fachveranstaltungen zur Zwischen- bzw. Schlussbilanz durchgeführt werden. Insgesamt nimmt die wissenschaftliche Begleitung Entwicklungs-, Moderations-, Beratungs- und Evaluationsaufgaben wahrzunehmen: (1) Beteiligung an der Konzipierung und Implementation des Gesamtprozesses; (2) Erarbeitung einer „Ist-Analyse“ der jeweiligen kommunalen Integrationspolitik, Diskussion mit den Verantwortlichen; (3) Begleitung der lokalen Steuerungsgruppen; (4) Begleitung und Coaching der lokalen Koordinatorinnen, (5) Vermittlung von methodischen Ansätzen und Instrumenten; (6) Entwicklung und Pflege eines Dokumentations- bzw. Monitoring-Systems, (7) Moderation der interkommunalen Foren; (8) Regelmäßige Rückkopplung der Zwischenergebnisse auf den verschiedenen Ebenen, des Projekts (Gesamtsteuerung, interkommunale Foren, lokale Steuerungsgruppen, Planungskonferenzen).

Last updated on 2021-28-01 at 10:27