Wozu Jugendarbeit? Untersuchung zu den Potentialen und zum Nutzen Offener Kinder- und Jugendarbeit


Project Details

Project start:
05/2017
Project end:
04/2021
Total project budget:
59.726,70



Principal Investigator(s)



Research areas


Abstract

Offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein vielschichtiges Arbeitsfeld, welches in den vergange-nen 15 Jahren erhebliche strukturelle und inhaltliche Veränderungen erfahren hat: Seit 2010 hat sich die Anzahl der in der Jugendarbeit Beschäftigten quasi halbiert (Beschäftigte 1998: 44.560/ 2014: 29.126; Beschäftigte/ Vollzeitäquivalente 1998: 33.292/ 2014: 17.565). Im Sinne einer Infrastruktur für alle Kinder und Jugendlichen, wie sie im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert ist, befindet sie sich im Prozess einer schleichenden Ausdünnung, für Hessen gilt dies, neben einigen anderen Bundesländern, in besonderem Maße. Mit einem Abbau von 14,7 Beschäftigten pro 10.000 der 6- bis unter 22-Jährigen zwischen 2010 und 2014 hat Hessen neben Berlin und Brandenburg den höchsten Abbau zu verzeichnen. Diese strukturellen Veränderungen gehen einher mit erheblichen inhaltlichen Schwerpunktverschiebungen: Kinder- und Jugendarbeit übernimmt zunehmend Funktionen von Jugendsozialarbeit, indem sie zu einem Funktionieren von Kindern und Jugendlichen in den zentralen Regelsystemen Schule und Arbeitsmarkt beiträgt; sie folgt damit auch verstärkt den Ziel- und Problemdefinitionen dieser Regelsysteme. Damit einher geht ein verstärkter Defizitblick auf Jugendliche. Indikatoren sind Angebote wie Hausaufgabenhilfe, Bewerbungsunterstützung oder Mittagessensbetreuung, die inzwischen Standardangebote Offener Jugendarbeit sind und die häufig zu einer zeitlichen und personelle Einschränkungen Offener Angebote oder des Offenen Betriebes führen. Die zunehmend projekt- und themenbezogene Finanzie-rung von Jugendarbeit trägt zu einer Logik des ‚Angebote fahrens‘ bei, welche die Möglichkeiten eines Arbeitens mit und an den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen einschränkt. Offene Räume für soziales Lernen, Experimentieren, für eigentätige Aneignung und die Artikulation und Verfolgung (auch eigensinniger) Bedürfnisse und Interessen Jugendlicher – auch im Sinne eines Ortes von Demokratiebildung – schwinden damit zunehmend. Vor dem Hintergrund einer immer stärker institutionalisierten und funktionalisierten Jugendphase und den Herausforderungen und Belastungen mit denen Aufwachsen in modernen Wissensgesellschaften verbunden sind, stellt sich die Frage, ob nicht gerade solche offe-nen Räume zentral wären. Und angesichts wachsender rechtspopulistischer und rassistischer Strömungen stellt sich die Frage nach Räumen von Demokratiebildung, in denen Demokratie nicht etwas Abstraktes bleibt, sondern als etwas Lebenswertes und Sinnvolles erfahren werden kann.


Last updated on 2020-25-08 at 09:18